Sind wir wirklich süchtig nach Lob und Wertschätzung?
Unsere Beratungsbubble diskutiert gerade über Lob im Arbeitskontext. Perfekt auf LinkedIn – hier tummeln sich Lobeshymnen über großartige Teams und perfekte Führungskräfte.
In unserem Alltag bei CORMENS sind wir häufig mit dem Thema konfrontiert. Als Beratende schauen durch die systemische Brille darauf:
In Unternehmen arbeiten streng genommen keine Menschen, sondern Rollen. Rollen bündeln Erwartungen, Aufgaben und Verantwortung. Die Rollen sind heute enger denn je mit den Personen verknüpft, die sie ausfüllen. Das funktioniert vermutlich besser, wenn sie Bestätigung erhalten. Das ist menschlich und nachvollziehbar.
Durch die immer stärkere Präsenz einer Person in ihrer Rolle wächst aber teilweise ein regelrechter Anspruch an Organisationen, Lob und Anerkennung zu bekommen. Die Wertschätzung soll motivieren, binden, Sinn stiften. Nicht selten geraten Führungskräfte dadurch in die Position der Versorger:innen.
Hier lohnt sich ein genauer Blick: Ist das Bedürfnis nach Anerkennung von außen kaum noch zu stillen? Oder fällt die Reaktion auf Feedback so stark aus, dass sie nicht mehr im Verhältnis steht?
Manchmal wächst der Wunsch nach immer mehr Bestätigung dort, wo es Menschen schwerfällt, sich selbst und die eigene Leistung zu würdigen.
Für uns heißt das nicht, dass Chef:innen die Wertschätzung kappen sollen, sie ist kein unnötiger Firlefanz.
Aber wenn der Wunsch danach unersättlich wird, kann man sich fragen: Ist es wirklich an den oder die Vorgesetzte:n adressiert, oder geht es viel mehr um Selbstregulation der Person, die sich mehr Anerkennung wünscht?
Wenn Führungskräfte jedoch häufig damit konfrontiert sind, dass sie zu wenig loben würden, hilft der Blick nach innen: Welcher Zacken bricht denn aus der eigenen Krone, wenn man etwas mehr Lob aussprechen würde? Und welche Gefühle verhindern die Wertschätzung vielleicht? Neid, Eifersucht, vielleicht auch Selbstzweifel der Führungskraft?
Wir denken: Dauerlob ohne Kontext wirkt ebenso wenig wie der vollständige Verzicht auf Wertschätzung. Für uns liegt der Schlüssel in der Selbstreflexion, auf beiden Seiten.
Welche Erfahrung hast du damit gemacht? Lobst du dein Team häufig? Oder warst du schon mal in einem Arbeitsverhältnis, in dem du nicht wertgeschätzt wurdest?