Juni 2026Consulting

Kann KI dich wirklich coachen?

In der Coaching-Szene wird kontrovers darüber diskutiert, ob KI die Arbeit von Coaches obsolet macht.

Unser geschätzter Kollege Klaus Eidenschink hat kürzlich in seiner neuen LinkedIn-Reihe (https://lnkd.in/d9tmtrwQ) beschrieben, warum Resonanz, Begegnung und Präsenz auch in Zukunft zentrale Kompetenzen von Coaches bleiben werden. Dem stimmen wir zu.

Gleichzeitig beobachten wir eine Entwicklung, die Coaching-Prozesse bereits heute verändert: Viele Klient:innen nutzen KI zwischen den Sitzungen zur Reflexion, zur Entscheidungsfindung oder als Sparringspartner für eigene Gedanken.

Für uns bei CORMENS ist deshalb eine andere Frage spannend: Was lässt sich aus diesen Gesprächen lernen?

Wie genau unsere Kund:innen KI nutzen, kann für den Coaching-Prozess sehr wertvoll sein. Denn Chatverläufe zeigen oft etwas, das in Gesprächen manchmal verborgen bleibt: Denkweisen, Selbstbilder, innere Konflikte. Wird nach Bestätigung gesucht oder nach Widerspruch? Nach schnellen Lösungen oder neuen Perspektiven? Nach Sicherheit oder Orientierung?

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Klientin nutzte KI, um an ihrem perfektionistischen Antreiber zu arbeiten. Auf den ersten Blick wirkte das sinnvoll. Beim Lesen fiel jedoch auf: Sie versuchte, ihren Perfektionismus möglichst perfekt zu beseitigen.

Die Fragen an die KI waren von großer Selbstkritik und Härte geprägt. Es ging kaum darum, warum dieser Anteil überhaupt entstanden ist, welche Funktion er erfüllt oder weshalb er so hartnäckig ist. Der Chatverlauf machte sichtbar, welcher innere Anteil gerade das Steuer übernommen hatte. Für uns Coaches ist das ein wertvoller Einblick in den Status Quo.

KI-Dialoge können also Erkenntnisse liefern. Sie können ein zusätzlicher Spiegel für die Selbstbeschreibung von Menschen sein. Die eigentliche Entwicklungsarbeit entsteht meist im Kontakt mit anderen Menschen.

Wie siehst du das? Nutzt du KI eher als Sparringspartner, Reflexionshilfe oder tatsächlich als Coach?