Authentizität ist positiv aufgeladen – ganz man selbst sein ist heute ein hohes Gut.
Angenommen, du könntest eine Wishlist mit den wichtigsten Eigenschaften für eine ideale Führungskraft einreichen:
Wetten, das Buzzword „Authentizität“ stünde unter den Top 5?
Authentizität ist positiv aufgeladen. Ganz man selbst zu sein ist heute ein hohes Gut – zumindest wenn man dem LinkedIn-Feed glaubt. Aber was bedeutet das eigentlich?
Aus unserer Perspektive als Beratende sehen wir: Authentisch sein ist im Job gar nicht so erstrebenswert, wie viele vielleicht denken. Denn das könnte auch bedeuten, der cholerische Chef ist genau das – cholerisch und unberechenbar.
Authentisch? Ja. Führungsstark? Naja.
In Organisationen wird es schnell kompliziert, wenn Mitarbeitende ganz ungefiltert sie selbst sind. Denn in Unternehmen arbeiten Rollen, die Menschen mit Leben füllen.
An diese Rollen sind Erwartungen geknüpft. Und die können mit dem Menschen und seiner Persönlichkeit kollidieren, der die Rolle ausfüllt.
Heißt das also, im Job muss man seine Persönlichkeit an der Garderobe abgeben und brav alle Erwartungen erfüllen?
Keineswegs. Denn dann sitzt die Rolle ein bisschen zu eng und gibt keinen Raum mehr für Nuancen. Ohne Persönlichkeit wird alles austauschbar. So entsteht keine Resonanz. Und damit keine Orientierung für Mitarbeitende.
Entscheidend ist die Balance zwischen Rolle und Persönlichkeit. Gute Führungskräfte zeigen Verhalten, das Mitarbeitenden Orientierung gibt anstatt unplanbarer Stimmungsschwankungen. Verhalten, das erwartbar und der Situation angemessen ist. Und im besten Fall nicht davon abhängt, wie es zu Hause läuft oder ob das Essen in der Kantine versalzen war.
„Ich bin eben so“ ist keine besonders tragfähige Führungsstrategie. Deshalb empfehlen wir für die Wishlist: Kongruenz statt Authentizität.
Welche Top 5 stehen auf deiner Leadership-Wishlist? Wie authentisch zeigst du dich im Job? Kennst du die Herausforderung, zwischen Rolle und Persönlichkeit zu balancieren?